Gedichte

Der Ort an dem wir recht haben

An dem Ort, an dem wir recht haben,
werden niemals Blumen wachsen
im Frühjahr.

Der Ort, an dem wir recht haben,
ist zertrampelt und hart
wie ein Hof.

Zweifel und Liebe aber
Lockern die Welt auf
wie ein Maulwurf, wie ein Pflug.

Und ein Flüstern wird hörbar
An dem Ort, wo das Haus stand,
das zerstört wurde.                                  (Jehuda Amichai)

Ich bin
das Kind, das vertrauensvoll nach deiner Hand fasst
Ich bin
die Wölfin, die angriffslustig ihre Jungen verteidigt
Ich bin
die Bärin, die träge Winterschlaf hält
Ich bin
die Katze, die behutsam ihre Wunden leckt
Ich bin
der Vogel, der übermütig mit dem Wind tanzt
Ich bin
die Schnecke, die sich enttäuscht in ihr Haus zurückzieht
Ich bin
der Wind, der belebend durch die Blätter rauscht
Ich bin
die Blume, die zaudernd nach dem Glassturz verlangt
Ich bin
der Baum, der beständig seine Äste gen Himmel reckt
Ich bin
das Lied, das glaubensvoll über die Trauer sich breitet
Ich bin
der Gedanke, der irgendwann von Anfang und Ende wissen wird
Ich lebe

Mein Name

Insgeheim sorglos
bin ich auf Dauer bedacht
o sole mio und immer
in Daunen ist töricht
reizend bin ich
wenn niemand mich reizt

Dankbarkeit für die
Schönheit um mich
Rage und Rachsucht
sind da im Stillen
ohnmächtig bin ich
vor der Dunkelheit in mir

Denken

Überdenken, über etwas nachdenken
nach denken – vor denken
vorausdenken – hinterherdenken
unterdenken querdenken
kreuzdenken
Wer löst den Knoten

kreuz und querdenken
im Labyrinth den Faden suchen
überdenken
darüber nachdenken
vordenken oder doch vorausdenken
unter Denker gefallen
ins Nichts denken gefallen

Was mich Margritte lehrt

Oftmals geschieht’s, meist nicht erkannt,
wirkliche Wahrheit, wahre Wirklichkeit.
Was sehe ich, was du?
Ihr Augen, oftmals schon täuschtet ihr mich,
hol ich mal nah,
schieb ich mal fern, die Bilder mir,
immer scheint’s Wirklichkeit zu sein;
doch immer nur wie mein Aug es will!
Verzerrt die Wahrheit, täuscht.

Wüsste ich nicht, der Mond ist eine Kugel
könnt mein Aug mich lehren, es wären Ringe,
ineinander verschlungen.
Weiß ich doch, ein Pferd kann
nicht durch Bäume gehen –
weiß ich es wirklich?